KIT-Experte zur Hitzewelle in Europa: „Anhaltende Hitze ist ein Systemrisiko für Europa.“
- Datum: 10.07.2026
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Die Hitzewelle im Juni 2026 zählt zu den außergewöhnlichsten, die Europa bislang erlebt hat. In zahlreichen Ländern wurden neue Temperaturrekorde gemessen, vielerorts blieb es selbst nachts ungewöhnlich heiß – obwohl der Juni in Mitteleuropa nicht als der wärmste Monat gilt. Ein interdisziplinäres Forschungsteam des Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat untersucht, welche Ursachen und Auswirkungen die langanhaltende Hitze für Wasserhaushalt, Energieversorgung, Infrastruktur und Gesundheit hatte.
„Die Hitzewelle hat nicht nur Rekorde gebrochen – sie tat dies zeitgleich über einen ungewöhnlich großen Teil Europas hinweg“, sagt Professor Michael Kunz vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT, einer der Autoren des Berichts und Sprecher des CEDIM. „Allein in Deutschland wurden an 252 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) neue Allzeitrekorde der Tageshöchsttemperaturen verzeichnet. Europaweit zeigt unsere Analyse, dass die räumliche Ausdehnung der Juni-Hitzewelle alles übertrifft, was seit Beginn der Wetteraufzeichnung in den Datensätzen beobachtet wurde.“ Besonders bemerkenswert seien zudem die außergewöhnlich hohen Nachttemperaturen gewesen, die Mensch und Umwelt kaum Zeit zur Erholung ließen. „Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung waren erheblich. Das Robert Koch-Institut geht von bis zu 5 200 Sterbefällen aus“, so Kunz.
Die Hitze blieb dabei nicht auf die Atmosphäre beschränkt, sondern wirkte sich auch auf die Gewässer aus. Die Wassertemperatur vieler Flüsse stieg auf kritische Werte, Sauerstoffmangel führte lokal zu Fischsterben, und Niedrigwasser trat bereits Wochen früher auf als üblich. „Im Bereich der Obermosel sank der Sauerstoffgehalt zeitweise auf nur noch 2,6 Milligramm pro Liter; vorher lag er bei rund sechs Milligramm pro Liter. Gleichzeitig überschritten Rhein und Mosel eine Wassertemperatur von über 28 Grad“, sagt der Experte. „Solche Entwicklungen gefährden Ökosysteme, beeinträchtigen die Schifffahrt und schränken die Nutzung der Flüsse als Kühlwasserquelle für Industrie und Energiewirtschaft ein.“
Gerade dieses Zusammenspiel verschiedener Auswirkungen macht Hitzewellen aus Sicht der Forschenden zu einem wachsenden Risiko. „Hitze erzeugt Kaskadeneffekte. Während die Photovoltaikproduktion in Deutschland im Untersuchungszeitraum vom 13. bis 29. Juni um rund 31 Prozent zunahm, ging die Windstromerzeugung gleichzeitig um fast 29 Prozent zurück“, erklärt Kunz. „Kommen diese Veränderungen mit niedrigen Flusspegeln und hohen Kühlwassertemperaturen zusammen, die den Betrieb thermischer Kraftwerke einschränken können, geraten mehrere Versorgungssysteme gleichzeitig unter Druck.“ Aus den gemeinsam mit dem CEDIM-Team erarbeiteten Ergebnissen zieht Kunz ein klares Fazit: „Genau diese Wechselwirkungen werden künftig entscheidend sein. Anhaltende Hitze ist ein Systemrisiko für Europa.“
Ihre Untersuchung veröffentlichten die Forschenden in Form einer Forensic Disaster Analysis (FDA).Für Interviewwünsche oder weiterführende Informationen stellt der Presseservice des KIT gern den Kontakt zu dem Experten her.
Bitte wenden Sie sich an Dr. Martin Heidelberger, E-Mail: martin.heidelberger@kit.edu, Tel.: 0721 608-41169.
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