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Energieeffiziente Gebäudetechnik – Prof. Lamia Messari-Becker

  • Wie lassen sich Städte klimafreundlich und zugleich lebenswert gestalten? Für die Professorin für Energieeffiziente Gebäudetechnik an der Fakultät Bauingenieur-, Geo- und Umweltwissenschaften des KIT gelingt das nur, wenn Bau- und Energiewende über das einzelne Gebäude hinausgedacht werden. Deshalb arbeitet sie an der ingenieurstechnischen Entwicklung von klimaangepassten und ressourceneffizienten Gebäuden und Quartieren.

Quartiere sind Keimzellen des urbanen Wandels

Prof. Lamia Messari-Becker Cynthia Ruf, KIT

„Future Cities sind interdisziplinär zu denken“, sagt Lamia Messari-Becker. „Wir müssen dabei sowohl technische als auch soziale Innovationen im Blick haben. Unser Institut will eine integrative Schnittstelle zwischen räumlichen und bautechnischen Perspektiven sein.“ Bauen sei extrem umweltrelevant und bei der Forschung gebe es ein ganzes Bündel an Themen, die dabei ineinandergreifen: „Wir interessieren uns neben der Energie im Heizkeller auch für den Energieaufwand der Vorketten, die sogenannte graue Energie, über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg. Unsere Forschung beschränkt sich dabei nicht nur auf das Gebäude, sondern umfasst auch Quartiere, Stadtteile und den urbanen Raum.“ Die promovierte Bauingenieurin Messari-Becker mit internationaler Praxiserfahrung ist Befürworterin der kompakten 15-Minuten-Stadt, in der alle zum Leben notwendigen Bedarfe innerhalb weniger Minuten erreichbar sind. Das reduziert das Verkehrsaufkommen, stärkt die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit von Städten und steigert die Lebensqualität.

Bei der ressourceneffizienten Gebäudetechnik, mit der sich Messari-Becker beschäftigt, geht es darum, den Technikaufwand beim Betrieb und Unterhalt so gering wie möglich zu halten. Das betrifft insbesondere den Energiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung, Klimatisierung sowie Elektro- und Sicherheitstechnik. Bei den Energiequellen setzt die Wissenschaftlerin auf das ganze Spektrum an nachhaltigen Lösungen: „Für die Energiewende müssen wir alle erneuerbaren Energiequellen nutzen und Speicherkapazitäten aufbauen.“ Weil sich der immense Energiebedarf in Deutschland nicht allein über Wind und Photovoltaik decken lässt, plädiert sie dabei auch für weitere erneuerbare Energiequellen wie Geothermie und Biogas ein. „Die Energiewende muss diversifiziert werden, um erfolgreich zu sein“, betont die Bauingenieurin. „Nicht nur für Strom, auch für Wärme und Treibstoffe müssen erneuerbare Energien vorhanden sein. Außerdem braucht es eine urbane Energiewende, die städtebaulich gedacht wird.“ Auch die Heiztechnik gehöre breit gefächert, fordert Messari-Becker, von Wärmepumpen über Brennstoffzellen bis hin zu Heizkesseln mit klimafreundlichen Brennstoffen.

Neben technischen sind auch soziale Innovationen notwendig, um weiterhin eine gute Lebensqualität in Städten zu gewährleisten. Das Ziel der Forscherin ist deshalb eine Ökoroutine, die Klimaschutz und Klimaanpassung in allen Lebensbereichen als Selbstverständlichkeit etabliert. Dazu gehört auch eine urbane Kreislaufwirtschaft, die Menschen vor Ort abholt: „Wir müssen Menschen in die Lage versetzen, einen Beitrag für nachhaltige Lösungen zu leisten – und zwar gerne. Der Wandel sollte mit positiven Veränderungen einhergehen.“

Lamia Messari-Becker ist promovierte Bauingenieurin. Vor ihrem Wechsel an das KIT war sie zehn Jahre Professorin für Gebäudetechnologie und Bauphysik an der Universität Siegen. 2020 wurde sie in die internationale Experten-Gemeinschaft „Club of Rome“ berufen und unter anderem als „Vordenkerin 2024“ ausgezeichnet. Seit 2024 ist sie Aufsichtsrätin des Forschungszentrums Jülich. Zudem war sie 2024 als parteilose Staatssekretärin im Hessischen Wirtschaftsministerium für Energie, Verkehr, Mobilität, Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und ländlichen Raum zuständig und leitete eine Reform der Hessischen Bauordnung. (kri)

Der Presseservice des KIT stellt gerne den Kontakt zwischen den Medien und Prof. Lamia Messari-Becker her.

 

Fotonachweis
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Porträt: Prof. Lamia Messari-Becker, Cnythia Ruf, KIT